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PR im Bundestag: Blick hinter die Kulissen

· Storytelling,Politik,Bundestag

Neulich wurde ich gefragt, was ich so beruflich mache. Ich wusste nicht so recht, was ich konkret antworten sollte. Pressesprecher? Social Media-Manager? Grafiker? Texter? Website-Administrator? PR-Berater? Ich sagte dann so etwas, wie: "Ich bin der Marketing-Typ in einem politischen Start-up."

Seit März 2016 arbeite ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die CDU-Bundestagsabgeordnete Christina Schwarzer im Deutschen Bundestag. Wissenschaftlicher Mitarbeiter - das ist die offizielle Berufsbezeichnung und steht genau so in meinem Arbeitsvertrag. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit - das steht in meiner Signatur und auf meiner offiziellen Visitenkarte. Doch tatsächlich passiert hier so viel mehr. Willkommen beim exklusiven Blick hinter die Kulissen.

Wenn ich politisches Start-up sage, dann bezieht sich das nicht auf die die tatsächliche Arbeit von Christina Schwarzer als Politikerin. Sie ist alles andere, als eine Anfängerin - nach 13 Jahren in der Kommunalpolitik (die neben dem Vollzeitjob betrieben wurde), ist sie seit 2013 Mitglied des bundesdeutschen Parlaments. Ich finde jedoch die Mentalität von Start-ups spannend: eine Vision haben, klare Ziele formulieren, moderne Technologien nutzen, Neues ausprobieren, angstfrei auch mal Fehler machen, transparent miteinander im Team kommunizieren und natürlich das Büro so bunt und heimisch einrichten, wie es nur geht. Dazu viel Musik, Ummengen an Coke Zero und gemeinsam sitzen, quatschen, essen, lachen. Das Ganze ohne Hierarchie- und Zuständigkeiten-Bullshit-Bingo - so entsteht meiner Ansicht nach ein kreativer Teamspirit, der Erfolge möglich macht.

Menschen lieben Geschichten. Und dass gutes Storytelling in Medien, PR, Werbung oder sogar in der Psychologie gut funktioniert, ist längst kein Geheimnis ​

Facebook, Instagram, Snapchat, WhatsApp - das sind unsere Kanäle, die wir regelmäßig bespielen. Facebook spielt dabei die wichtigste Rolle, weil es sowohl das meist benutzte Social Network ist, als auch auch die besten Interaktions- und Analysemöglichkeiten bietet. Wir versuchen täglich ein Posting zu bringen, meist jedoch alle zwei Tage. Auf Kommentare wird ebenso regelmäßig und authentisch geantwortet, wie auf eingehende Nachrichten und Postings von Abonnenten. Ich achte stets auf das Thema des Postings. Themen, mit denen wir uns nicht identifizieren können oder die keine entscheidende Rolle für Fans und potentielle Wähler spielen, landen nicht auf der Seite. Ergo: Putin und Trump sucht man bei Christina Schwarzer genauso vergeblich, wie strittige Fragen in der Gesetzgebung beim See- oder beispielsweise Urheberrecht. Wenn es dagegen um Ereignisse im Wahlkreis oder politische Gestaltung in den Bereichen Kinder- und Jugendschutz, Pflege, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Förderung von Start-ups oder das Ehrenamt geht - willkommen in der Timeline! Nach Möglichkeit arbeiten wir langfristig an einem Thema.

Beispiel: Facebook

In Christina Schwarzers Wahlkreis gibt es in rund 4.000 Haushalten ein großes Problem mit dem Grundwasserschutz. Das Land Berlin unter Führung von SPD, Bündnis90/Die Grünen und Die Linke will eine Brunnenanlage abschalten, die das Grundwasser abpumpt und somit ständige Überflutungen von Kellern verhindert. Christina steht dabei auf der Seite der Anwohner, die den Erhalt dieser Brunnenanlage fordern. Klar, dass dieses Thema immer wieder eine Rolle spielt. Auf der Webseite genauso, wie in zahlreichen Posts auf Facebook. Und natürlich dürfen Ortsbegehungen, Bürgergespräche, Plakate, Flyer und eine (Online-)Unterschriftenaktion nicht fehlen. Denn wer vor Ort und online ein Thema nach vorne bringt, generiert beinahe automatisch Interesse bei klassischen Medien - und zwingt die politischen Akteure von der Gegenseite langfristig zum Handeln! In dieser Kampagne waren mir eine auffällige CI sowie ein eingängiger Claim wichtig. Ich entschied mich für ein auffälliges Rot, eine klar lesbare Schriftart sowie das "wütende Emoji":

Christina-Schwarzer-Philipp-Graefe-Grundwasser-Facebook
Christina-Schwarzer-Philipp-Graefe-Grundwasser-Change-Org
Christina-Schwarzer-Philipp-Graefe-Grundwasser-Video
Christina-Schwarzer-Philipp-Graefe-Grundwasser-Selfie

Wichtig ist für mich, dass der Betrachter die Haltung des Politikers nachvollziehen kann. Daher achte ich auf leicht verständliche Texte, nutze gerne Emojis und animiere direkt oder indirekt zur inhaltlichen Interaktion.

Beispiel: Instagram-Stories und Snapchat

Menschen lieben Geschichten. Und dass gutes Storytelling in Medien, PR, Werbung oder sogar in der Psychologie gut funktioniert, ist längst kein Geheimnis. Ein Glück, dass es mit Snapchat und den Kopien aus dem Hause Facebook bei Instagram und WhatsApp nun eine Möglichkeit gibt, kurze Geschichten zu erzählen. Dabei werden Videos und Bilder, die man ausgiebig bearbeiten kann, nacheinander angezeigt und ergeben im Idealfall einen zusammenhängenden Sinn. Als das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (auch bekannt als NetzDG) debattiert wurde, entstand folgende Story auf dem Weg zur Anhörung im zuständigen Bundestagsausschuss:

Beispiele: Flyer

Ich bin fest davon überzeugt: wer nur auf Soziale Netzwerke setzt, verliert. Eine nachhaltige Kommunikation mit so vielen Bürgern wie möglich kann es nur geben, wenn man alle Kanäle nutzt. Daher haben Flyer oder gar Flugblätter nicht ausgedient - im Gegenteil.

Ich entwerfe regelmäßig Flyer, in denen die politische Arbeit von Christina Schwarzer erklärt wird. Während zahlreiche Politiker auf Faltflyer setzen und ganze 6 Seiten mit Bildern und Texten vollpacken, arbeite ich ausschließlich mit zweiseitigen Flyern in den Größen A5, A6 und gelegentlich A4. Mein Credo: modernes Design abseits vom typischen Partei-Flugblatt. Hier ein paar Beispiele aus den vergangenen 12 Monaten:

Flyer_Christina_Schwarzer_3-Jahre_bundestag_01
Flyer_Christina_Schwarzer_3-Jahre_bundestag_01
Christina_Schwarzer_Flyer_Kinderschutz_01
Christina_Schwarzer_Flyer_Kinderschutz_02
Christina_Schwarzer_Flyer_Muttertag_02
Christina_Schwarzer_Flyer_Muttertag_01

Beispiel: Radiointerview

Der ein oder andere Politiker gibt gerne alles und jedem ein Interview. Jegliche Presseanfragen werden jubelnd angenommen und nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. Gute Idee? Mitnichten! Auch wenn Interviewanfragen generell sehr schmeichelhaft sind - nicht immer ist ein Gespräch mit einem Medium zielführend für die Kommunikation mit den Menschen im Wahlkreis. Daher achte ich strikt auf das Thema des Interviews, Image der Publikation und ihre (lokale) Reichweite und Relevanz sowie den Erscheinungs- bzw. Ausstrahlungszeitpunkt des Beitrags.

Nur ein fiktives Beispiel: Wenn ich als Berliner Bundestagsabgeordneter, der sich hauptsächlich mit Landwirtschaft beschäftigt, dem armenischen Staatsfernsehen ein Statement zur "Ehe für alle" gebe, wird es im eigenen Wahlkreis so gut wie niemand mitbekommen.

Im folgenden Beispiel hat es meiner Ansicht nach sehr gut gepasst: Christina Schwarzer arbeitet im Ausschuss Familie, Senioren, Frauen und Jugend, beschäftigt sich vorrangig mit dem Kinder- und Jugendschutz und beantwortet Fragen des Morgenshow-Moderator von Radio Teddy.

Hast du Fragen, Feedback, Kritik? Dann schreibe mir gerne an. Und ab sofort neu: Workshop, Schulung oder Beratung anfragen unter [email protected]

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