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Bloggen in der Politik?

20.06.2018

In diesem Artikel beschreibe ich meine Erfahrungen mit Blogs in der politischen Kommunikation. Anhand ausgewählter Beispiele erfährst du, welche Möglichkeiten ein Blog bieten kann und worauf du aufpassen solltest.

Was war nochmal ein Blog?

Wikipedia sagt, ein Blog sei „ein auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem der Blogger Aufzeichnungen führt, Sachverhalte postet oder Gedanken niederschreibt.“ Diese Definition führt zum Schluss: Der Politiker sollte a) was zu sagen haben und b) seine Ansichten und politischen Ziele öffentlich im Internet preisgeben wollen. Das klingt zwar banal, jedoch gibt es immer noch Politiker, die zwei Mal im Jahr einen PDF-Newsletter versenden, sich selbst auf die Schulter klopfen und denken, damit wäre die Onlinekommunikation erledigt. 

 

Du solltest dir also vor dem Führen eines Blogs ein paar Fragen stellen:

  • Bin ich als Politiker bereit, meine politische Arbeit im Internet vorzustellen, zu erklären und ggf. mit den Lesern zu diskutieren?
  • Welche Ressourcen sind notwendig, um meine Inhalte zu kreieren, online zu bringen, zu aktualisieren und ggf. Interaktion zu betreiben?
  • Blogge ich auf meiner eigenen Webseite oder nutze ich eine fremde Plattform?

Ich stelle die PM in unseren Blog

Äh, Moment mal. Eine Pressemitteilung richtet sich an Journalisten, enthält idealerweise wertneutrale Fakten, die vom Redakteur in kürzester Zeit in einen professionellen Medien-Beitrag eingebaut werden können. Ein Blog-Artikel ist dagegen persönlich und versucht erst gar nicht, objektiv zu wirken. Er kann wertend, vorwurfsvoll, polemisch, satirisch oder einfach nur sehr lang sein – Hauptsache, der Leser fühlt sich direkt vom Autor angesprochen. Mein Tipp: Entweder du schreibst die Pressemitteilung so um, dass sie für die Abonnenten des Blogs interessant wird. Oder du postest die Pressemitteilung klar als PM gekennzeichnet in den Blog (das ist vor allem notwendig, wenn du all deine Inhalte in einem News-Bereich auf deiner Webseite veröffentlichst). Oder du hältst die PM von deinem Blog fern (eine nach Lehrbuch formulierte PM hat z. B. bei tumblr, Instagram oder Facebook nichts verloren).

Wie auch immer du es handhabst, denk stets daran, Content an Gewohnheiten und Bedürfnisse deiner Konsumenten sowie die technischen Möglichkeiten und Gepflogenheiten der jeweiligen Plattform anzupassen!

Wo sollte ich bloggen?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder du nutzt deine eigene Plattform, bloggst also auf deiner Webseite. Oder du postest deine Einträge auf einer oder in mehreren Plattformen diverser Dienstleister. Das können klassische Weblog-Seiten sein, wie Wordpress, blogger.com oder tumblr. Und selbstverständlich lässt sich auch in sozialen Netzwerken bloggen. Wusstest du, dass Facebook über 63.000 Zeichen in einem Statusupdate erlaubt und es die Blog-Funktion Notizen gibt? Bei Instagram sind pro Statusupdate im Feed 2.000 Zeichen zugelassen, bei LinkedIn gibt es ebenfalls eine sehr umfangreiche Blog-Funktion.

Vorteile eigene Webseite: Du bestimmst alles selbst. Schriftart, -größe, -farbe etc., eine eigene URL, Einbettung von Fotos, Videos, Grafiken, Animationen, Karten oder Sounddateien, Verlinkungen auf externe und interne Inhalte, umfangreiche SEO- und SEM-Einstellungen, einfach alles. Ich persönlich bin ein großer Fan der Individualisierung und bevorzuge diese Variante der politischen PR vor allen anderen. Das wichtigste für mich ist, dass der Content stets unter der eigenen URL wahrgenommen wird. Nicht nur vom Leser, sondern auch von Google und anderen Suchmaschinen. Stark vereinfacht gesagt: Je mehr Inhalte man unter dem eigenen Namen und der eigenen URL regelmäßig veröffentlicht, desto nachhaltiger wird die Sichtbarkeit im Web. Zudem muss man sich als Konsument nicht anmelden oder Mitglied eines sozialen Netzwerks werden. Nicht zuletzt lassen sich Webseiten-Besuche detailreich nachvollziehen. Mit Hilfe von z. B. Google Analytics kann man allerhand Kennzahlen sehen und somit prüfen, wie und wo die eigenen politischen Positionen wahrgenommen worden sind.

Nachteile eigene Webseite: Eine eigene Webseite kostet Geld – sie muss designed, programmiert, ständig aktualisiert und gepflegt werden. Man muss die Bedienung des Content Management Systems (CSM) lernen und beherrschen - durchaus eine Herausforderung für den einen oder anderen. Das Hosting verbraucht ebenfalls Ressourcen. Zudem muss man sich entscheiden: Nutze ich als Politiker eine komplett eigene Internetseite, die in der Regel teuer ist? Oder greife ich auf Webseiten-Angebote der Partei zu, die (leider nicht selten) von zweifelhafter Qualität sind und die oben angesprochenen Individualisierungsmöglichkeiten nur eingeschränkt zulassen? Ein weiterer Nachteil: Die Nutzer-Bindung an die eigene Internetseite. Während in einem eigenen Ökosystem, wie LinkedIn oder Instagram man sich gegenseitig folgen und unkompliziert Content kommentieren kann sowie Updates im Status-Feed stets aktuell angezeigt bekommt, muss man hier die eigenen Interessenten dazu bringen, auf die eigene Webseite zu klicken. Die juristisch saubere Moderation von Kommentaren kann zu einer Herausforderung werden.

Vorteile fremde Plattform: Es gibt kein aufwändiges CMS, man muss sich kaum ums Design kümmern, das Hosting entfällt und die meisten Weblog-Plattformen sind kostenlos. Die Bedienung ist auch für absolute Laien schnell erlernbar, zudem gibt es durch Vernetzungsmöglichkeiten (wie bei tumblr oder Instagram) ein Potential an neuen Lesern bzw. Abonnenten – diese erhalten in der Regeln neuste Beiträge im Feed angezeigt und gelangen innerhalb des Netzwerks schnell und unkompliziert auf deine Inhalte.

Nachteile fremde Plattform: Hundertprozentige Individualisierung ist Fehlanzeige. Auch wenn einige Plattformen durchaus einige der oben beschriebenen Möglichkeiten anbieten, wird der Blogbeitrag nie zu 100% nach den eigenen Bedürfnissen angepasst werden können. Außerdem verlangen insbesondere soziale Netzwerke eine Anmeldung. So können beispielsweise Facebook-Postings auch gelesen werden, wenn man nicht bei Facebook ist – Facebook mahnt jedoch durch die konsequente Einblendung eines Banners an, sich ein FB-Profil anzulegen. Ein so umfassendes Tracking des Nutzer-Verhaltens, wie bei der eigenen Webseite, ist nicht oder nur mir hohem Aufwand möglich.

Beispiel Blog auf Webseite

Hier siehst du die Vorteile eines Blogs auf der eigenen Webseite am Beispiel des Bundestagsabgeordneten Andreas Steier (CDU):

Andreas-Steier-Blog-Screenshot-01

Screenshot: Blog-Beitrag zur Verkehrspolitik im Wahlkreis Trier und Trier-Saarburg

Link: Oben siehst du eine individuelle URL. Warum ist das so wichtig? Z. B. erkennt man daran schnell das Thema, der Link sieht vernünftig aus (nichts ist schlimmer als eine endlos scheinende und kryptisch wirkende Anreihung von Buchstaben und Zahlen!) und bringt Vorteile bei der Auffindbarkeit in Suchmaschinen.

Header: Das Foto ist an das Thema angepasst, ebenso ist eine Überschrift vorhanden. Datum und Kategorisierung ("Meinung") bieten eine zeitliche und inhaltliche Einordnung.

Text: Alles ist individualisiert – Schriftart (Raleway, Google Fonts), Schriftgröße, Markierungen, Überschriften usw. Diese Komponenten lassen sich z. B. bei Instagram oder in einem normalen Facebook-Posting nicht anpassen.

Verlinkungen: Innerhalb des Artikels lassen sich unzählige Verlinkungen einbauen. Verlinkungen innerhalb des Blogs helfen, die Verweildauer auf der eigenen Webseite zu steigern. Verlinkungen auf externe Inhalte geben dem Leser die Möglichkeit, mehr über das angesprochene Thema zu erfahren. So lassen sich beispielsweise Inhalte der Partei, Fraktion oder anderer befreundeter Abgeordneter promoten.

Einbettung: Fotos, Videos, Karten – auf der eigenen Webseite lässt sich im Blog-Beitrag eine Vielfalt an Elementen einbetten.

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Screenshot: Einbettung der Anmeldung für den Newsletter

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Screenshot: Einbettung einer Google Maps-Karte

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Screeenshot: Ausgewählte Individualisierungsmöglichkeiten im CMS

Beispiel Blog auf Fremd-Plattform

Hier siehst du die Möglichkeiten eines Blogs auf einer Fremd-Plattform am Beispiel meines Instagram-Profils @philippgraefeberlin. Dort vermittele ich meinen persönlichen Blick auf aktuelle gesellschaftspolitische Themen, beschreibe meinen Alltag im politischen Berlin und mische das ganze mit Motiven aus meinem Privatleben.

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Screenshot: Instagram-Profil von Philipp Gräfe

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Screenshot: Beitrag im Instagram-Blog von Philipp Gräfe

Keine individuell gestaltbare URL, keine Überschriften oder eigene Schriftarten, keine individuelle SEO-Möglichkeiten sowie eine eingeschränkte Nutzungsauswertungen: Dennoch ist auch Instagram ein schönes Tool, um einen Blog zu führen. Es lassen sich Fotos bzw. Fotostrecken oder bis zu 60 Sekunden lange Videos posten, ausführliche Textpassagen schreiben und eine Menge Menschen erreichen. Durch die außerordentliche Beliebtheit sowie nahezu hunderprozentige Verfügbarkeit und Verbreitung von Instagram ist sichergestellt, dass die Inhalte regelmäßig gesehen und kommentiert werden. Grundsätzlich empfehle ich, sich mit der Funktionsweise von Instagram zu beschäftigen und spezielle Aktionen, wie das Setzen von Hashtags oder die Nutzung der Story-Funktion anzueignen. Meiner Ansicht nach eine ausgezeichnete Möglichkeit, schnell und einfach einen Blog zu führen – wenn man bereit ist, auf die o. g. Annehmlichkeiten zu verzichten.

Fazit:

Bloggen in der Politik lohnt sich. Wie immer, sollten die eigenen Ziele und Ressourcen im Vorfeld ausgelotet werden. Der Blog sollte Teil einer durchdachten Medienstrategie sein und nachhaltig betrieben und gepflegt werden. Und auch die regelmäßige Evaluation sollte nicht aus den Augen verloren werden. Mit der Auswertung (anonymisierter und DSGVO-konformer) Daten lassen sich Erfolge oder Probleme schnell und effizient analysieren.

Hast du Fragen, Feedback, Kritik? Dann schreibe mir gerne an. Und ab sofort neu: Workshop, Schulung oder Beratung gerne unverbindlich anfragen unter mail@philippgraefe.de. Meine Datenschutzerklärung findest du HIER

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